Wechseljahre – Übertritt in den zweiten Frühling
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Veränderungen bringen Unsicherheit mit sich, fordern uns auf verschiedensten Ebenen heraus und zwingen uns dazu, unsere Komfortzone zu verlassen. Doch in unserem Lebenszyklus kommt es von Natur aus immer wieder zu Veränderungen. Zu den einschneidendsten gehören wohl die Pubertät und die (weiblichen) Wechseljahre. Beide Phasen sind geprägt von einer hormonellen Umstellung des Körpers.

Während in der Pubertät die Suche nach der eigenen Identität im Vordergrund steht, bietet die Zeit der Wechseljahre die Chance, der inneren Stimme zu lauschen, sich von Dingen und Menschen zu verabschieden, die nicht mehr in unser Leben passen und gesellschaftlichen Zwängen, Erwartungen und Rollenbildern adieu zu sagen. Wie wohltuend diese Vorstellung doch ist!
Begrifflichkeiten und Phasen
Die Phasen überschneiden sich zum Teil und die Bedeutung der Bezeichnungen können je nach Quelle variieren. Zudem sind Eintritt, Dauer, Beschwerden … der einzelnen Abschnitte ganz individuell – es gibt nicht DIE Wechseljahre.
Prämenopause (lat. «prä» = «vor»): Um das 40. Lebensjahr beginnt die erste Phase der Wechseljahre, die Prämenopause. Manche Frauen bemerken jedoch schon ab Mitte dreißig Veränderungen im gewohnten Monatszyklus. In den Eierstöcken vermindert sich die Produktion der Hormone Östrogen und Progesteron. Der Zyklus ist zwar meist noch recht regelmässig, aber hormonelle Schwankungen können sich bereits jetzt als kleine Signale bemerkbar machen: Vielleicht ist Frau sensibler, der Schlaf etwas oberflächlicher oder die Haut fühlt sich anders an. Klassische Wechseljahrsbeschwerden sind i.d.R. noch nicht oder nur ganz schwach vorhanden.
Perimenopause (lat „peri“ = um/herum): die Jahre vor und nach der Menopause und oft die Zeit der grössten Hormonschwankungen bzw. der stärksten Beschwerden. Symptome wie Schlafstörungen, Spannungsgefühle in der Brust, Gewichtszunahme, Gelenkschmerzen, Stimmungsschwankungen, Migräne oder Hitzewallungen können mehr oder weniger heftig auftreten. Mitunter bleibt die Monatsblutung für ein paar Monate aus, um sich dann wieder für einige Zeit einzupendeln. Die Blutungen sind zu Beginn der hormonellen Umstellung auf Grund einer Östrogendominanz oft stärker als gewohnt. Die Perimenopause endet 1 Jahr nach der Menopause. Sie dauert durchschnittlich ca. 4-10 Jahre, kann aber auch früher einsetzen und/oder länger dauern. Achtung: Auch wenn die letzte Blutung schon einige Monate zurückliegt, so ist eine Schwangerschaft theoretisch immer noch möglich. Erst ab dem Zeitpunkt der Menopause muss nicht mehr an Verhütung gedacht werden.
Menopause: Zeitpunkt der letzten Blutung. Kann erst rückwirkend nach 12 Mt. ohne Blutung mit Sicherheit festgestellt werden. In den westlichen Ländern tritt die Menopause mit durchschnittlich 51 Jahren ein. Der Zeitpunkt kann allerdings stark variieren.
Postmenopause (lat. „post“ = nach): beginnt ein Jahr nach der letzten Monatsblutung. V.a. am Anfang dieser Lebensphase können Symptome wie Hitzewallungen nach wie vor rel. stark sein.
Wechseljahre / Abänderung / Klimakterium (griech. „Sprossen einer Leiter“ oder „kritischer Punkt“): bezeichnet in der Regel die gesamte Dauer der hormonellen Umstellung. Diese dauert durchschnittlich 10 – 15 Jahre, wobei es auch hier grosse individuelle Unterschiede gibt.
Umgang mit den Wechseljahren
Jede Frau erlebt die Zeit der hormonellen Umstellung sehr individuell. Etwa 1/3 berichtet von keinen einschränkenden Symptomen. Ein weiteres Drittel beschreibt leichte bis mittelgradige Beschwerden während wiederum 1/3 von sehr starken Symptomen betroffen ist.
Gut zu wissen: wir sind diesen Beschwerden nicht einfach ausgeliefert. Oft können diese nur schon durch ein Überdenken und eine allfällige Anpassung des Lebensstils und der Ernährung beeinflusst werden. Zudem gibt es viele hilfreiche Heilpflanzen und naturheilkundliche Methoden, welche den Körper in der Zeit der hormonellen Umstellung sanft regulieren (vgl. oben).
Schlussendlich gibt es kein richtiges oder falsches „Durch-die-Wechseljahre-Gehen“. Es geht vielmehr darum, den ganz eigenen Umgang damit zu finden.
Vielleicht hilft hier die Lebensweisheit: „Es ist, wie es ist. Aber es wird, was du daraus machst“. Wenn es uns gelingt, den Fokus nicht zu stark auf den Mangel / die Beschwerden zu legen, sondern die Wechseljahre im wahrsten Sinn des Wortes immer wieder als Chance für einen Wechsel / eine Neuorientierung zu sehen, kann diese Zeit zu einem Übergang in den zweiten Frühling (oder einen farbenprächtigen Herbst 😉) werden.
